Gemeinsam gegen Steinkorallen-Krankheit

26. June 2026  Franziska Unger 
Impressionen
Mehr als 45 Fachleute aus Wissenschaft, Behörden und Naturschutz entwickeln gemeinsam Strategien, um die Ausbreitung der SCTLD einzudämmen und die Karibikriffe zu schützen.

Im Fokus des Workshops standen fünf zentrale Themen zum Schutz der Korallenriffe auf den Bahamas.

In Miami haben Wissenschaftler diese Woche bei einem Expertenworkshop vereinbart, den Kampf gegen die Stony Coral Tissue Loss Disease (SCTLD) zu intensivieren, da sie als eine der größten Bedrohungen für die Korallenriffe in der Karibik gilt – besonders in Florida und auf den Bahamas, wo sie erheblichen Gewebeverlust bei Steinkorallen verursacht.

„SCTLD stellt für uns nach wie vor eine große Herausforderung dar, bietet aber auch die Chance, unseren verantwortungsvollen Umgang mit der Umwelt zu stärken, wissenschaftlich fundierte Entscheidungsprozesse zu beschleunigen und die lokalen Gemeinden zu befähigen, die Widerstandsfähigkeit der Korallen zu stärken“, betonte  Dr. Rhianna Neely-Murphy, Director of The Bahamas Department of Environmental Planning and Protection in ihrem Vortrag. „Seit dem ersten Auftreten stellt SCTLD eine so noch nie dagewesene Bedrohung für unsere riffbildenden Korallen auf den gesamten Bahamas dar.“

Um die Herausforderung wirksam zu bewältigen, betonten die Teilnehmenden die Bedeutung eines koordinierten Vorgehens sowie einer engeren wissenschaftlichen Zusammenarbeit und eines offenen Austauschs von Daten und bewährten Verfahren, um nachhaltige Fortschritte zu erzielen.

„Die Stony Coral Tissue Loss Disease ist eine der schwerwiegendsten Bedrohungen, denen die karibischen Riffe jemals ausgesetzt waren, und die Bahamas liegen direkt in ihrem Verbreitungsgebiet. Das Perry Institute for Marine Science arbeitet seit Jahren mit bahamaischen Behörden und regionalen Partnern zusammen, um die Riffe zu überwachen, betroffene Korallen zu behandeln und zu verstehen, wie sich diese Krankheit ausbreitet und wie man sie eindämmen kann“, sagte Dr. Aaron Hartmann, Senior Scientist at PIMS and Head of The Bahamas Coral Program. „Dieser Workshop dient dazu, praktische Erfahrungen aus verschiedenen Ländern zusammenzuführen, denn Korallenkrankheiten machen nicht an Landesgrenzen Halt – und unsere Maßnahmen dürfen dies auch nicht. Indem wir Daten, Behandlungsmethoden und hart erkämpfte Erkenntnisse offen austauschen, geben wir diesen Riffen sowie der Fischerei, den Lebensgrundlagen und den Gemeinden, die von ihnen abhängig sind, eine weitaus größere Chance auf Erholung.“

Vertreter aus Behörden, Wissenschaft, Naturschutz und Renaturierungsprojekten aus der gesamten Karibik kamen beim Expertenworkshop zusammen, um Erfahrungen zu teilen und neueste Forschungsergebnisse zu Krankheit und Ausbreitung von Korallenleiden auszuwerten. Im Mittelpunkt standen dabei unter anderem mögliche Auslöser, Verfahren zur Früherkennung im Feld, die Überwachung der Riffgesundheit, Therapieansätze, die Bewertung von Maßnahmen sowie nationale Strategien und Konzepte zur Regeneration geschädigter Korallenriffe.

Die Diskussionen konzentrierten sich auf fünf zentrale Themenfelder:

  • Aktuelle Verbreitung der SCTLD sowie damit verbundene Risiken in Florida, auf den Bahamas und in der Karibik
  • Analyse bestehender Notfall- und Krankheitsmanagementstrategien
  • Vorstellung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse und Förderung des Datenaustauschs
  • Ableitung von Maßnahmen zum Ausbau nationaler und regionaler Kapazitäten
  • Einbindung des SCTLD-Wissens in Strategien zur widerstandsfähigen Wiederherstellung von Korallenriffen

„Das Ausmaß und die Komplexität der Stony Coral Tissue Loss Disease sind so umfangreich, dass eine einzelne Organisation oder ein einzelnes Land diese Herausforderung nicht allein bewältigen kann“, sagte David Smith, Chief Scientific Adviser der MSC Foundation. „Wenn Expertinnen und Experten aus verschiedenen Regionen und Fachbereichen zusammenkommen, entsteht die Chance, voneinander zu lernen, die Koordination zu verbessern und wissenschaftsbasierte Maßnahmen für den Schutz der Korallenriffe zu unterstützen.“

Erstmals 2014 in Florida nachgewiesen, hat sich SCTLD inzwischen in zahlreiche karibische Regionen ausgebreitet, darunter auch die Bahamas. Die Erkrankung schädigt Steinkorallen massiv und kann sich mit hoher Geschwindigkeit über komplette Riffe hinweg ausbreiten. In der Folge geraten sowohl die marine Biodiversität als auch wirtschaftliche Bereiche wie Fischerei und Tourismus sowie der natürliche Schutz der Küsten zunehmend unter Druck.

Auf den Bahamas bündeln Behörden, Forschungseinrichtungen und Naturschutzorganisationen ihre Kräfte, um Monitoring-, Behandlungs- und Managementansätze weiterzuentwickeln und die Auswirkungen der Krankheit möglichst zu begrenzen.

Über die Krankheit “Stony Coral Tissue Loss Disease”

Die schnelle Ausbreitung der SCTLD führt in der gesamten Karibik zu gravierenden Schäden an marinen Ökosystemen. Teilweise können komplette Korallenkolonien bereits innerhalb weniger Monate absterben. In Florida wurden an betroffenen Riffen Korallenverluste von bis zu 60 Prozent festgestellt.

Zur Eindämmung der Krankheit kamen bereits zehntausende Korallen im Rahmen experimenteller Behandlungen zum Einsatz. Dazu gehören unter anderem Antibiotika-Therapien, die in Studien nach drei Jahren Überlebensraten von bis zu 84 Prozent zeigten, sowie erste Ansätze mit probiotischen Verfahren.

Trotzdem hat SCTLD inzwischen weite Teile der Region erfasst: In Florida sind mehr als die Hälfte der Korallenriffe betroffen, in Mexiko über 30 Prozent der karibischen Riffe, und auf den Bahamas wurden über 175 Quadratmeilen Rifffläche befallen. Bis Mitte 2025 wurde die Krankheit in 33 Ländern und Territorien nachgewiesen und übersteigt damit zunehmend die bisherigen Möglichkeiten, ihre Ausbreitung und Folgen wirksam zu kontrollieren.

Anlass des Workshops

Auslöser des Workshops war die zunehmende Ausbreitung von SCTLD an den Riffen rund um Ocean Cay, die 2025 im Rahmen gemeinsamer Umweltuntersuchungen mit PIMS festgestellt wurde. An einem Standort zeigte sich dabei ein Befall von über zehn Prozent der Korallen, an weiteren lagen die Werte bei drei beziehungsweise 1,5 Prozent. Noch 2019 waren im Zuge vergleichbarer Erhebungen keine Anzeichen der Krankheit nachgewiesen worden.

Im Zuge von Genehmigungen des Department of Environmental Planning & Protection (DEPP) fördert die MSC Foundation gemeinsam mit PIMS Behandlungsmaßnahmen, um die Ausbreitung der Krankheit zu verlangsamen und besonders gefährdete Korallenkolonien zu schützen.

Die Teilnehmenden kamen aus einem breiten internationalen Umfeld und vertraten Behörden, Forschungseinrichtungen, Naturschutzorganisationen sowie Restaurierungsprojekte aus den Bahamas, den USA, Mexiko, der Dominikanischen Republik, Curaçao, Saudi-Arabien und weiteren Ländern.

Zu den vertretenen Organisationen gehörten unter anderem:

Bahamas Department of Environmental Planning & Protection, Perry Institute for Marine Science, University of The Bahamas, Bahamas Agriculture and Marine Science Institute (BAMSI), Bahamas National Trust, Bahamas Protected Areas Fund, Nova Southeastern University, University of Miami, NOAA, Smithsonian Marine Station, Mote Marine Laboratory & Aquarium, The Nature Conservancy, Healthy Reefs for Healthy People Initiative, ReefLine, National Center for Integrated Coastal Research, University of North Carolina Wilmington, Universidad Nacional Autónoma de México, Fundación Dominicana de Estudios Marinos (FUNDEMAR), MARS Sustainable Solutions, BRANCH Coral Foundation, KAUST, MIT Self-Assembly Lab sowie die MSC Foundation.

Über die MSC Foundation

Mit Hauptsitz in Genf fungiert die MSC Foundation als philanthropischer Arm der MSC Group. Seit 2018 unterstützt sie Projekte in den Bereichen Umwelt- und Naturschutz, Bildung, Katastrophenhilfe sowie die Stärkung lokaler Gemeinschaften. Ziel ist es, die globale Präsenz und maritime Expertise der MSC Group gezielt einzusetzen, um den Schutz der Ozeane und eine nachhaltige Entwicklung des „blauen Planeten“ und seiner Menschen voranzubringen.

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