
Die MSC Foundation hat auf den Bahamas einen weiteren Schritt zur Wiederherstellung geschädigter Korallenriffe umgesetzt. Im Rahmen des Programms „Super Coral Reefs“ wurden 32 zuvor in Korallengärten gezüchtete Fragmente der vom Aussterben bedrohten Elchhornkoralle an einem Riff nahe Browns Cay angesiedelt. Damit erhöht sich die Zahl der im Rahmen der Initiative eingesetzten Korallen auf insgesamt 285.
Angesichts der für den Spätsommer erwarteten hohen Meerestemperaturen geht die MSC Foundation dabei besonders vorsichtig vor. Weitere Korallenfragmente verbleiben zunächst in den geschützten Unterwasser-Korallengärten, wo sie engmaschig überwacht werden können. Erst wenn sich die Bedingungen im Meer wieder verbessern, soll die Ansiedlung fortgesetzt werden.
„Für dieses Jahr werden außergewöhnlich hohe Meerestemperaturen erwartet, die die Korallen erheblich belasten könnten“, sagte Emeline Bouchet, Leiterin des Meeresprogramms am Ocean Cay Marine Conservation Centre. „Der Juli-Ausblick des NOAA Coral Reef Watch prognostiziert für die nördlichen Bahamas bis in den September hinein eine Korallenbleiche der Stufe 2. Deshalb haben wir weitere Fragmente in unseren Unterwasser-Korallengärten belassen, wo das Team sie genau überwachen und betreuen kann. Bei der Wiederherstellung von Korallenriffen geht es nicht nur darum, möglichst viele Korallen anzusiedeln – es geht auch darum, ihnen die besten Bedingungen für eine erfolgreiche Entwicklung zu bieten.“
Die Elchhornkoralle (Acropora palmata) ist ausschließlich in der Karibik heimisch und gilt als vom Aussterben bedroht. Seit den 1980er-Jahren ist ihr Bestand in der Region Berichten zufolge um 97 Prozent zurückgegangen. Besonders für die Bahamas spielt die Korallenart eine wichtige Rolle: Als bedeutende riffbildende Art trägt sie zum Küstenschutz bei und schafft Lebensräume für zahlreiche Fische und Wirbellose. Damit ist sie zugleich für die lokale Fischerei und den Tourismus von Bedeutung.
Korallenrestaurierung mit wissenschaftlichem Ansatz
Für das Programm werden Korallenfragmente zunächst in speziellen Unterwasser-Korallengärten aufgezogen. Erst wenn sie ausreichend groß und gesund sind, werden sie an geeigneten Stellen in natürliche Riffe eingesetzt. Die Auswahl der Flächen erfolgt auf Basis von Riffkartierungen und Untersuchungen der dortigen Artenvielfalt.
Der Standort bei Browns Cay wurde nach entsprechenden Untersuchungen als geeignet für die Ansiedlung ausgewählt. Dabei setzt die MSC Foundation gezielt auf Korallen, deren Mutterkolonien bereits eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegenüber hohen Wassertemperaturen gezeigt haben. Die verwendeten Kolonien überstanden die schwere marine Hitzewelle von 2023/2024 vollständig.
Eine erneute Erwärmung der Gewässer könnte die Korallen jedoch stark unter Druck setzen. Bei sogenanntem Hitzestress verlieren die Korallen die symbiotischen Algen in ihrem Gewebe, die ihnen ihre charakteristische Farbe verleihen und einen großen Teil ihrer Nahrung liefern. Die Folge ist die sogenannte Korallenbleiche. Hält die Belastung an, steigt das Risiko für Krankheiten und das Absterben der Korallen.
Deshalb werden die Riffe rund um Ocean Cay monatlich kontrolliert. Mithilfe der Photogrammetrie entstehen dabei unter anderem 3D-Modelle, mit denen sich Wachstum und Gesundheitszustand der Korallen langfristig dokumentieren lassen. Sobald die Hitzewelle vorüber ist, sollen weitere Korallen angesiedelt und die Unterwasser-Korallengärten mit neuen Fragmenten bestückt werden.
So funktioniert die Korallenrestaurierung
Am Anfang steht die Auswahl widerstandsfähiger Korallenkolonien. Von ihnen werden Fragmente entnommen und in den Unterwasser-Korallengärten auf speziellen, baumähnlichen Strukturen herangezogen. Die Fragmente eines Gartens stammen jeweils von derselben Mutterkolonie und sind damit genetisch identisch.
Nach etwa neun bis zwölf Monaten können ausreichend entwickelte und gesunde Korallenfragmente an zuvor ausgewählten Riffabschnitten eingesetzt werden. Dafür werden sie unter möglichst stressarmen Bedingungen von den Korallengärten zum jeweiligen Standort transportiert. Die Taucher reinigen zunächst den Meeresboden von Sedimenten und Algen, bevor die Korallen mit einem speziellen, meeresverträglichen Zement befestigt werden.
Fragmente derselben Mutterkolonie werden dabei möglichst nah beieinander angesiedelt, sodass sie mit der Zeit zu größeren Kolonien zusammenwachsen können. Gleichzeitig verteilt das Team Korallen verschiedener Mutterkolonien über das gesamte Riff. So soll die genetische Vielfalt erhöht und damit die Widerstandsfähigkeit des zukünftigen Korallenbestands unterstützt werden.
Nach der Ansiedlung werden die Korallen regelmäßig fotografiert und kontrolliert. Die gewonnenen Daten geben Aufschluss darüber, wie sich die Korallen entwickeln und wie sich die Wiederherstellung auf das gesamte Riffökosystem auswirkt.